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Das Pferd im Training - starke Muskeln brauchen mehr als Bewegung
Eine gut entwickelte Muskulatur beim Pferd ist viel mehr als ein optisches Merkmal. Denn die Muskeln tragen den gesamten Körper, stabilisieren Gelenke und Wirbelsäule und ermöglichen so geschmeidige, koordinierte Bewegungen. Gleichzeitig schützen sie vor Fehlbelastungen und helfen dem Pferd, das Reitergewicht möglichst gleichmäßig zu tragen. Bleibt der Muskelaufbau trotz regelmäßiger Arbeit aus, lohnt es sich, nicht nur den Trainingsplan zu betrachten. Denn oft liegt die Ursache in einem Zusammenspiel aus Bewegung, Regeneration, Fütterung und Haltung.
Starke Muskeln brauchen einen passenden Trainingsreiz
Muskeln passen sich an Belastung an. Wird ein Pferd regelmäßig und sinnvoll gearbeitet, entstehen in den Muskelfasern kleinste strukturelle Veränderungen. Der Körper repariert diese Strukturen und bereitet sie auf zukünftige Anforderungen vor. Auf diese Weise kann der Muskel kräftiger und leistungsfähiger werden. Damit dieser Prozess funktioniert und keine Schäden an Gelenken, Sehnen und Bändern entstehen, muss die Belastung angemessen sein. Zu intensive oder zu häufige Trainingseinheiten können den Körper überfordern, indem die wichtige Zeit fehlt, in der sich der Muskel anpassen und erholen kann. Zu wenig Bewegung setzt kaum einen Reiz und kann zum gegenteiligen Effekt führen. Abwechselndes Training von Kraft und Schnelligkeit ist dabei besonders wertvoll. Tempowechsel, Stangenarbeit, und das Reiten im Gelände setzen unterschiedliche Reize. Auch bergauf geführte oder gerittene Strecken können die Hinterhand und die Rumpfmuskulatur ansprechen. Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viel zu trainieren, sondern möglichst sinnvoll und regelmäßig bei ausreichender Regeneration. Ein Pferd verliert Muskulatur übrigens deutlich schneller, als es sie wieder aufbaut. Gerade nach längeren, oft krankheitsbedingten Pausen ist daher Geduld gefragt. Auch wenn Kondition und Motivation zunächst gut erscheinen, sind Sehnen, Bänder und Muskulatur noch nicht automatisch bereit für stärkere Belastungen. Ein langsamer Aufbau schützt vor Überlastung und schafft eine gute Grundlage für einen langfristig stabilen und gesunden Bewegungsapparat.
Muskelaufbau findet in den Pausen statt
Der Trainingsreiz ist beim Muskelwachstum nur der Anfang, denn der eigentliche Zuwachs an Muskelmasse findet in der Zeit danach statt. Während der Regeneration füllt der Körper seine Energiespeicher auf und repariert beanspruchte Strukturen. Fehlen diese Erholungsphasen, kann sich die Muskulatur nicht ausreichend entwickeln, das Pferd wirkt zunehmend müde, verspannt oder unwillig. Erholung bedeutet dabei nicht zwangsläufig Boxenruhe. Lockere Bewegung, Weidegang und entspannte Spaziergänge können die Durchblutung fördern und die Regeneration unterstützen. Auch der Schlaf spielt eine Rolle. Pferde benötigen sichere Liegeflächen, auf denen sie sich vollständig ablegen können. Dauerhafter Schlafmangel beeinträchtigt nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch die körperliche Erholung.
Eiweiß liefert die Bausteine der Muskulatur
Muskeln bestehen zu einem großen Teil aus Eiweißen. Diese werden im Verdauungstrakt in Aminosäuren zerlegt und der Körper kann sie anschließend für den Aufbau eigener Strukturen nutzen. Dabei zählt nicht nur die Menge des aufgenommenen Rohproteins, ebenso wichtig ist dessen Qualität. Sie wird unter anderem dadurch bestimmt, welche Aminosäuren enthalten sind und wie gut das Pferd sie verwerten kann. Einige Aminosäuren kann der Organismus selbst bilden, andere, die als essenzielle Aminosäuren bezeichnet werden, müssen über das Futter aufgenommen werden. Fehlt eine dieser essenziellen Aminosäuren, kann die körpereigene Eiweißsynthese eingeschränkt sein, obwohl die Gesamtration eigentlich ausreichend Eiweiß enthält. In der Pferdefütterung gelten Lysin, Methionin und Threonin als limitierende Aminosäuren, so dass ein Mangel daran die Proteinsynthese begrenzen kann, auch wenn andere Aminosäuren genügend vorhanden sind. Doch Vorsicht: Eine sehr proteinreiche Fütterung ist nicht automatisch besser für das Pferd. Entscheidend ist eher eine bedarfsgerechte Versorgung mit hochwertigem, gut verfügbarem Protein.
Ohne Energie kein Muskelaufbau beim Pferd
Bei jeder Bewegung greifen die Muskelzellen auf energiereiche Verbindungen zurück, die ständig neu gebildet werden müssen. Dafür nutzt der Organismus vor allem Kohlenhydrate und Fette. Wie viel Energie ein Pferd benötigt, hängt von vielen Faktoren ab. Alter, Körpergewicht, Haltung, Trainingsumfang und Stoffwechsel spielen ebenso eine Rolle wie die Außentemperatur und der allgemeine Gesundheitszustand. Erhält ein Pferd dauerhaft weniger Energie, als es verbraucht, kann es keine starken Muskeln aufbauen. Reichen die verfügbaren Nährstoffe nicht aus, werden körpereigene Reserven genutzt, dabei kann auch Muskelgewebe abgebaut werden. Mehr Futter bedeutet jedoch nicht automatisch mehr Muskeln, denn eine zu hohe Energiezufuhr ohne Training führt eher zu Fettansatz. An der Oberlinie des Pferdes lässt sich meist am ehesten erkennen, ob tatsächlich tragende Muskulatur vorhanden ist. Die Energieversorgung sollte immer zur tatsächlichen Leistung passen. Grundlage bleibt hochwertiges Raufutter. Im Dickdarm werden die Pflanzenfasern durch Mikroorganismen fermentiert. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die dem Pferd als bedeutende Energiequelle dienen. Eine gesunde Darmflora trägt damit indirekt zur Versorgung der Muskulatur bei. Ergänzende Futtermittel sind dann sinnvoll, wenn der Bedarf über Heu und Weide nicht ausreichend gedeckt wird.
Mineralstoffe unterstützen Muskelarbeit und Entspannung
Auch Mineralstoffe und Spurenelemente sind an der Muskelfunktion beteiligt. Calcium spielt beispielsweise eine wichtige Rolle bei der Muskelkontraktion, Magnesium bei der Reizweiterleitung und Entspannung, Phosphor ist unter anderem Bestandteil energiereicher Verbindungen. Zu den wichtigen Spurenelementen gehören Zink, Kupfer, Mangan und Selen. Sie werden nicht nur für die Funktion von Enzymen, sondern auch für das Bindegewebe und als Schutz vor oxidativen Vorgängen benötigt. Wichtig zu wissen ist, dass Pferde bei Belastung und warmem Wetter große Mengen an Schweiß produzieren. Dabei verlieren die Tiere nicht nur Wasser, sondern auch Mineralstoffe, die im Schweiß als Elektrolyte gelöst sind. Hierzu gehören vor allem Natrium, Chlorid, Kalium, Calcium und Magnesium. Da diese Elektrolyte für den Flüssigkeitshaushalt und die Muskelarbeit unverzichtbar sind, kann das Pferd ermüden und leistungsschwach wirken, wenn starke Verluste nicht ausgeglichen werden. Frisches Wasser und Salz müssen daher jederzeit verfügbar sein. Bei Sportpferden mit hoher Trainingsbelastung und starkem Schwitzen kann eine zusätzliche Elektrolytzufuhr sinnvoll sein, um Erkrankungen und Leistungseinbußen zu vermeiden.
Heu ist die Grundlage, aber nicht immer ausreichend
Qualitativ hochwertiges Heu liefert Energie, Eiweiß und Mineralstoffe. Seine Zusammensetzung kann jedoch je nach Schnittzeitpunkt, Boden, Witterung und Lagerung stark schwanken. Spät geschnittenes Heu enthält häufig weniger gut verwertbares Protein, es kann daher für ein Pferd mit erhöhtem Bedarf zu wenig hochwertige Aminosäuren liefern. Eine Heuanalyse kann helfen, die Ration realistisch einzuschätzen. Sie ist besonders sinnvoll, wenn ein Pferd trotz angepasstem Training kaum Muskulatur entwickelt, an Gewicht verliert oder erschöpft wirkt. Ergänzende Proteinquellen zur Versorgung mit Nährstoffen sollten immer in die gesamte Ration eingeordnet werden. Es geht nicht darum, möglichst viel Eiweiß zu füttern, sondern die vorhandenen Lücken gezielt und ausgewogen zu schließen.
Fehlende Muskulatur kann auf Schmerzen hinweisen
Wenn ein Pferd trotz guter Fütterung und gezieltem Training keine Muskulatur entwickelt, sollte der Tierbesitzer immer genauer hinsehen. Denn häufig verhindert in diesem Fall ein gesundheitliches Problem, dass das Pferd seinen Körper korrekt nutzt. Schmerzen im Rücken, in den Gelenken oder an den Hufen führen zu Ausweichbewegungen, so dass bestimmte Muskelgruppen kaum genutzt, andere dafür dauerhaft überlastet werden. Auch ein unpassender Sattel kann die Bewegung einschränken und zu Muskelabbau im Bereich der Rückenlinie führen. Zahnprobleme, Parasiten, Magen-Darm-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen können ebenfalls eine Rolle spielen. Bei älteren Pferden sollte bei deutlichem Muskelabbau auch an hormonelle Erkrankungen wie das Cushing-Syndrom gedacht werden.
Muskelaufbau ist immer Teamarbeit
Viele Pferdebesitzer verbinden Muskelaufbau ausschließlich mit Training. Natürlich ist Bewegung die wichtigste Voraussetzung dafür, dass Muskulatur überhaupt entstehen kann, doch Training allein reicht nicht aus. Der Körper benötigt Energie, hochwertiges Eiweiß, essenzielle Aminosäuren und die passenden Mineralstoffe. Ebenso wichtig ist ausreichend Ruhe im Anschluss an die Belastung, damit sich die Muskelfasern regenerieren, an die gesetzten Trainingsreize anpassen und langfristig kräftiger werden können. Denn erst das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren schafft die Grundlage für einen gesunden und nachhaltigen Muskelaufbau beim Pferd.







